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Für Progger eine Offenbarung, für ungeübte Lauscher problematisch
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Blood Special Edition (Audio CD) Wer zu O.S.I. greift weiß genau, was auf dem Silberling zu hören sein wird, nämlich perfekt arrangierte Songperlen, die im Grenzbereich zwischen donnernden Gitarrenriffs und ambientlastigen Keyboard-Programmings angesiedelt sind. Dies hat sich auch am dritten Longplayer nicht geändert, der in einem schönen Digipack daherkommt, das wie das Inlay komplett in Schwarz und Rot gehalten ist und dessen Aufmachung schlicht, aber stilsicher ist. Unüberhörbar hat aber ein Reifeprozeß stattgefunden, der die kleinen Schwachpunkte der beiden Vorgänger ausmerzte. Waren am Debut die Songs oftmals ein wenig zu kurz angebunden und eher hektisch beendet, wurde auf Free anderseits doch zu sehr in die Breite gearbeitet.
Aber genug über die ersten beiden Langrillen geplaudert, die erste CD mal im Schlund des Players versenkt und rasant geht's los mit der O.S.I.-typischen melancholisch-aggressiven Grundstimmung, die in ein Riffgewitter mündet. Die erste Änderung kann ganz fein vernommen werden: Harrison trommelt "melodiöser" als Portnoy und trotz fehlendem Baß-Spieler ist der Druck von unten nochmals verstärkt worden. The Escape-Artist überrascht dann am Ende sogar mit einem Gitarrensolo! Terminal schaltet wieder einen Gang zurück und ist in einer 10 Minuten Version auf der Bonus-Disk ebenfalls zu finden. Wieder diese ruhige, melancholische Athmosphäre, die von Moores Gesang eigentlich zärtlich untermalt wird. Hier schimmert ganz stark Chroma-Key durch. False Start drückt das Gaspedal wieder nach unten und überzeugt durch perfektes Programming, kombiniert mit dem erneut sehr wuchtigen Riff. Wieder wird's ruhig. We come undone drückt den Athmo-Level noch weiter runter Richtung Depression, hat aber hintergründig durch die raffiniert programmierten Drums ordentlich Zug. Nach 4 Nummern fehlte mir noch die Kreuzung aus Riffmonster und den ruhigen Momenten. Kaum gedacht, wurde ich schon bedient... Radiologue ist eine Nummer, wie sie nur von O.S.I. stammen kann. Erstmals auf Blood ergänzen sich die so unterschiedlichen Ansätze des musikalischen Grundkonzepts. Blubbernde Synthies treffen auf perfekte Loops auf den kühl distanzierten Gesang Moores auf ein wahres Keyboard-Monsterriff auf die schrammelnde Gitarre, bis im Mittelpart alles wieder zusammensackt, um erneut ganz groß aufgebaut zu werden. Kann die Scheibe noch besser werden? Ja, sie kann! Be the Hero beginnt dort, wo die Vornummer aufhört, nämlich in ruhigen Fahrwassern, bis Matheos aus dem Nichts erneut ein schweres Riff aus dem Ärmel schüttelt, das von den Keys schwebend aufgegriffen wird, bis beides im Einklang durchrockt. Darauf folgt die wohl umstrittenste Nummer des Albums. Microburst Alert ist so ein Fall für sich. Entweder es wird gemocht, oder es wird abgelehnt. Ich finde dieses tonnenschwere Instrumental mit seinen Sprachsamples schlicht großartig! Hier wird der Bogen zum Debut gespannt, indem Paralellen zu Horseshoes & B52s unverkennbar sind. An jeder Ecke fiept, zirpt und pusht dieser zuerst unnahbare Sound-Brocken, der perfekt in das Album-Konzept paßt. Denn mit Stockholm wird wieder das Tempo gedrosselt um erneut die Hand an die Kehle des Hörers/der Hörerin zu legen, die von Mikael Akerfeld ordentlich zugedrückt wird. Mit traumwandlerischer Sicherheit wird hier das Opeth-Feeling integriert. Der Titeltrack nimmt den Faden von Radiologue auf und ist ein schöner Kehraus.
Das Debut benötigte doch einige Durchläufe um sich in den Hörgängen festzukrallen, Free war deutlich eingängier, hatte aber eine geringere Halbwertszeit, und Blood? Schon nach dem ersten Durchgang war ich begeistert, nach weiteren 10 bin ich dies noch immer. Für mich sind die ersten 4 Nummern eine Art Tanz, in dem sich die beiden harten Nummern um die beiden Ruhigeren bemühen, sie umwerben, bis mit den nun folgenden Nummern die Kombination zu hören ist. Die Tracks 5 bis 9 sehe ich als eine Art Suite, die um Microburst Alert herumkomponiert ist und eben mit Blood, dem Titel der Scheibe, ihr Ende findet.
Fazit: Die Herrn Moore und Matheos haben alles richtig gemacht und mit Blood ihr bisher bestes Werk abgeliefert, das eigentlich nur Proggern so richtig gut als Ganzes gefallen wird können. Einzelne Nummern für Metalheads sind dabei, einzelne Nummern für die Ambient-Fraktion und zwei Titel für solche, die die Kombination schätzen. Ungeübte Lauscher werden wohl zahlreiche Durchläufe brauchen, um mit diesem Gerät warm zu werden, wobei ich vermute, ein Kennen und Mögen von Chroma-Key und jüngeren Fates Warning Scheiben wäre fast schon Vorraussetzung, um überhaupt tiefer in das O.S.I.-Universum eintauchen zu wollen/können. Für mich bis jetzt die Prog-Platte des Jahres. Mal sehen, ob Kevins Exband daran was ändern kann.
Abschließend noch die Bonusdisk, die wie in den anderen Special Editions Titel enthält, die zwar gut sind, aber den Fluß der eigentlichen Scheibe gestört hätten: Neben der 10 Minuten Terminal-Version ist mit No Celebretions ein sehr starker Metal-Song drauf, der von Tim Bowness gesungen wird. Mit Christians Brothers (eine Coverversion einer mir unbekannten Band) wird kurz in die Alternative-Richtung geblickt, ein Ergebnis, das sich ebenso hören lassen kann.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 10. Mai 2009 | | |
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